Von Heribert Prantl

So ein Grundgesetz hat man noch nie in der Hand gehabt. Es ist keine windige Broschüre, kein steriler Gesetzestext, es steht nicht auf hauchdünnem Papier, es schaut nicht aus wie eine Durchführungsverordnung zum Einkommensteuerrecht. Dieses Grundgesetz ist ein hochwertiges Magazin, 124 Seiten Hochglanz, farbig, mit prachtvollen Bildern. Ein optisches und grafisches Fest, ein Feuerwerk der Schrifttypen und Schriftgrößen. Es ist die Festausgabe zum großen Fest - denn im kommenden Jahr wird das Grundgesetz siebzig Jahre alt.

Das "Grundgesetz als Magazin" kommentiert nichts, es enthält keine beschreibenden, analysierenden, erzählenden Texte. Es enthält neben ein paar guten Infografiken auf den hinteren Seiten nur den blanken Grundgesetztext - aber dessen Artikel sind wunderbar an- und aufgezogen. Das ist Haute Couture für die Verfassung. Es ist das erste Geschenk zum großen Grundgesetzjubiläum. Dargebracht hat dieses Geschenk der Blattmacher, Journalist und Medienentwickler Oliver Wurm, 49, der einst Redakteur bei Sport Bild war und 2009 schon das Neue Testament als Magazin herausgegeben hat; er hat aber auch neue Varianten der berühmten Panini-Sammelbilder erfunden.

 

Zum Beitrag auf Süddeutsche.de